8. November 2016

Presseerklärung der Solinger Naturschutzverbände zur diskutierten Abschaffung der Baumschutzsatzung Solingen

 

„Baum ab – nein danke“ , dieses plakative Schlagwort der Umweltbewegung hatte in Solingen lange Zeit Gültigkeit, denn eine sinnvolle Baumschutzsatzung erschwerte das Fällen der grünen Lungen unserer Stadt oder machte durch Geldzahlungen zumindest den Ersatz möglich.

Die Baumschutzsatzung hat für viele Jahre dafür gesorgt, dass Solingen sein Gesicht als eine grüne Stadt behalten und ausgebaut hat. Damit wird für unsere Stadt geworben, sowohl für Standortvorteile als auch für Solingen als touristisches Ziel.

Erwartete Sparmaßnahmen erscheinen aus Sicht der Naturschutzverbände kurzsichtig. Zwar werden die Personalkosten eingespart, aber demgegenüber fallen nicht unbeträchtliche Einnahmen aus Ausgleichszahlungen fort. Zusätzlich erhöht jeder Baum in der Stadt die Lebensqualität und zwar im Besonderen:

·      filtert er Feinstaub aus der Luft

·      bindet Kohlendioxid und wirkt dadurch dem Klimawandel entgegen

·      erzeugt Sauerstoff

·      kühlt im Sommer durch Verdunstung über das Blattwerk das städtische Klima

·      stellt Lebensraum für viele Tierarten

·      erfreut die Seele aller Anwohner und Besucher

 Außerdem erscheint den Naturschutzverbänden die Streichung der Baumschutzsatzung im Widerspruch zu dem Entwurf des Landesnaturschutzgesetzes NRW zu stehen. Dort ist festgehalten, dass die Städte eine Baumschutzsatzung aufstellen sollen. Es wäre zu bedauern wenn Solingen hier eine Vorbildfunktion aufgeben würde. 

 

Die Pressemitteilung finden Sie hier auch noch einmal zum Download.

 

 

 

  

15. Februar 2015

Gemeinsame Stellungnahme der Solinger Naturschutzverbände BUND, NABU und RNB zum vorgelegten Gesamt-Gutachten Planungsraum Ittertal

Die Naturschutzverbände begrüßen die nunmehr erfolgte Veröffentlichung des Gesamtgutachtens „Ittertal“ und bescheinigen dem Gutachten eine sehr detailliert erfolgte und umfassende Gesamtschau der  Problematik der Planungen neuer Gewerbegebiete im Ittertal unter wirtschaftlichen, ökologischen und Nachhaltigkeits-Aspekten.

Wir drei Umweltverbände  BUND, NABU und RBN begrüßen die im Gutachten getroffene Feststellung, dass in keinem der angedachten und geplanten Gewerbegebiete eine konfliktfreie Nutzung ohne Schädigung des Naturhaushalts möglich ist. Wir fühlen uns damit in unserer Einschätzung bestätigt, die wir im Zusammenhang bei der vorgestellten Raumwiderstandsanalyse Ittertal im Jahre 2014 bereits im Landschaftsbeirat geäußert haben:

Aufgrund der rücksichtslosen Bebauung der Randgebiete des Ittertals in den vergangen Jahrzehnten insbesondere durch die Nachbargemeinde Haan kann keine weitere Ausweisung von Gewerbegebieten in Buschfeld, Keusenhof, Fürkeltrath II und Piepersberg West akzeptiert werden, ohne dass die  wichtigen Funktionen des Freiraums „Ittertal“ :

·         Erholungsfunktion für die Anwohner  

·         Biotopverbundstruktur durch  Biotopflächen

·         Klimatologischer Ausgleich

·         wertvolle landwirtschaftliche Böden

negativ beeinflusst werden.

Insbesondere ist jetzt klar geworden, dass das Gebiet Buschfeld nunmehr als wichtiges Puffergebiet zu dem Naturschutzgebiet Ittertal,  mit einem der größten Vorkommen des Hirschkäfers in NRW auf der Haaner Talseite, erhalten bleiben muss.

Wir begrüßen auch die klaren Aussagen im abschließenden Vergleich der vier betrachteten Standorte z.B. bezogen auf Piepersberg West:

 Hier fordern die Gutachter einen ausreichenden Freiraum-Korridor zwischen dem Gebiet Piepersberg-West und Piepersberg-Ost. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Naturschutzverbände der Meinung, dass Piepersberg-West sich nicht als Standort für die geplante BHC-Mehrzweckhalle eignet. Bedingt durch die Topografie wären zur Realisierung sehr umfangreiche  Bodenbewegungs- und Planierungsarbeiten nötig, die unter Berücksichtigung des Erhalts des oben geforderten Freiraum-Korridors nicht umzusetzen wären.

Wir regen daher an  als möglichen Standort für die BHC-Halle den Bereich  Kieserling-Gelände/ Evertsgelände in der Solinger Innenstadt hinsichtlich Größe und Eignung zu prüfen. Hier gäbe es einen sinnvollen Anschluss an den ÖPNV (Schiene und Straße) und eine sinnvolle Belebung des innerstädtischen  Bereiches  unter Nutzung der umliegenden Parkplätze und der Gastronomie (Birkenweiher, Güterhallen, Alter Bahnhof) bei Veranstaltungen. Diese Lösung macht mehr Sinn als die Verschwendung neuer Areale am Piepersberg-West.

Die Bebauung des geplanten Gewerbegebietes Fürkeltrath II lehnen wir wegen der Betroffenheit von 3 Biobauern weiterhin ab.

Insgesamt betrachtet halten es die Naturschutzverbände jedoch auch für sinnvoll, bei einer durchschnittlichen  jährlichen Flächeninanspruchnahme von 4,3 ha für Gewerbegebiete stärker auf flächensparendes Bauen, Flächenrecycling und neue Arbeitsplätze in neuen Technologien zu setzen, da Landschaft und Boden nicht vermehrbare Güter sind.

 Die Stellungnahme als PDF hier zum Download.

 

 

 

 

5. November 2014

Stellungnahme der Umwelt- und Naturschutzverbände AKFSG, BUND, NABU und RBN zu den geplanten Windenergie-Standorten an der Sengbachtalsperre

Die ARGE Bergwind mit den Solinger Stadtwerken als Mitglied plant aktuell den Bau von Windenergie-Anlagen mit einer Nabenhöhe von ca. 150 m im Landschaftsschutzgebiet süd-lich der Sengbachtalsperre nahe der Kreisgrenze zum Rheinisch-Bergischen Kreis.

 

Die bei den Bürgerbeteiligungsterminen vorgestellten Daten zu den vogelkundlichen und fledertierkundlichen Erfassungen an den WEA-Standorten erschienen aus Sicht der lokal tätigen Naturschützer lückenhaft. Auf Grundlage dieser Daten kam das durch die SWS be-auftragte Gutachterbüro zu der Aussage, dass das Projekt im derzeit angedachten Umfang aus artenschutzrechtlicher Sicht an diesem Standort realisierbar sei, obwohl Vorkommen windkraftempfindlicher Arten im Untersuchungsraum festgestellt worden sind bzw. bekannt waren. 

 

Vor diesem Hintergrund wurde das strukturreiche Betrachtungsgebiet großräumig (3 km- Radius um die geplanten Standorte) in 2014 durch ein ehrenamtlich tätiges Team von fünf versierten Feldornithologen sowie 2013 und 2014 durch die Ehrenamtlichen des Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen (AKFSG) untersucht. 

 

Als wesentliche Ergebnisse der avifaunistischen Untersuchungen sind hervorzuheben: 

Im Untersuchungsgebiet wurden während der Erfassungen 2014 insgesamt 102 Vogelarten, darunter auch Durchzügler und Wintergäste, nachgewiesen. Als Brutvogelarten konnten 72 Arten sicher bestätigt werden. Bezogen auf das Gebiet der Stadt Solingen ist das Untersu-chungsgebiet als artenreich und besonders wertgebend im Hinblick auf die Vogelwelt anzu-sehen.

 

Während der Horstbaum-Erfassungen wurden insgesamt 64 Greif- und Großvogel-horste im 3.000 m-Radius der geplanten WEA-Standorte aufgenommen, was für eine hohe Greifvogeldichte bzw. für eine gute Ausstattung mit Althorsten spricht. Im Rahmen der Erfas-sungen zeigte sich außerdem, dass der Untersuchungsraum eine erhebliche Bedeutung für durchziehende und zum Teil auch im Gebiet rastende Vogelarten hat (z. B. wurde der Durchzug von Kranichen, aber auch rastender und durchziehender Wasser- und Greifvögel im Umfeld der Talsperre und im Offenland dokumentiert). 

 

Mit 40 nachgewiesenen, gem. den Vorgaben des LANUV als planungsrelevant eingestuften Vogelarten ist der Anteil dieser Arten am Gesamtbestand (41%) als hoch einzustufen (die MTB-Abfrage im Fachinformationssystem des LANUV NRW benennt 20 planungsrelevante Brutvogelarten für das Messtischblatt 4808-4). Von den 40 planungsrelevanten Arten sind 22 als Brutvögel im weiteren Sinne (Brutnachweis und Brutverdacht) im 3000 m-Radius um die geplanten WEA-Standorte nachgewiesen worden, was bedeutet dass im Plangebiet aktuell mehr planungsrelevante Arten als Brutvögel nachgewiesen wurden als bisher bekannt war. 

 

Von den 22 nachgewiesenen planungsrelevanten Brutvogelarten im weiteren Sinne gelten 8 als windkraftempfindlich gem. dem Leitfaden „Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in NRW“. Zwei weitere bemer-kenswerte Arten werden hier mit aufgeführt, da auch hinsichtlich ihrer Brutvorkommen vorhabensbedingte Beeinträchtigungen zu befürchten sind. 

 

Insbesondere die Vorkommen von Baumfalke und Wanderfalke, Rotmilan, Schwarzstorch, Uhu, Waldschnepfe, Wespenbussard und Kolkrabe sind hinsichtlich des Vorhabens als kon-fliktträchtig einzustufen. 

Eine der nachgewiesenen Brutvogelarten kommt im Solinger Stadtgebiet ausschließlich an diesem Standort vor (Schwarzstorch) und wurde hier in 2014 erstmals nachgewiesen. Wäh-rend von den übrigen genannten Arten erhebliche Anteile der Solinger Gesamtpopulationen in diesem Quadranten bzw. im 3000 m-Radius der geplanten WEA-Standorte ihre essenziel-len Nahrungs- und Bruthabitate besitzen. 

 

Die Planung gefährdet die Siedlungsdichtevorkommen von Rotmilan, Schwarzstorch und Uhu im Solinger Stadtgebiet sowie Brutvorkommen weiterer seltener Brutvogelarten, von denen etwa die Hälfte bis ein Drittel der Vorkommen des gesamten Stadtgebiets auf den Planungsraum entfällt (so bei Wander- und Baumfalke, Waldschnepfe, Wespenbussard und Kolkrabe). Die Realisierung der geplanten Windränder würde somit zu einer Verschlechte-rung des Erhaltungszustandes der lokalen Populationen bei den oben genannten Arten führen. 

 

Für die windkraftempfindlichen Arten Rotmilan, Baumfalke, Wanderfalke und Uhu ist bei Realisierung der geplanten Windenergieanlagen mit einem signifikant erhöhten Kollisions- und damit Tötungsrisiko zu rechnen, da diese Arten nachgewiesenermaßen regelmäßig in den beplanten Bereichen fliegen (vgl. Avifaunistischer Ergebnisbericht). Ein Brutplatz des Uhu liegt innerhalb des 1000 m-Radius um die geplanten Anlagen. 

 

Der Schwarzstorch gilt als ausgesprochen störempfindlich gegenüber dem Betrieb von Windenergieanlagen, d. h. es ist anzunehmen, dass der Schwarzstorch den im Untersu-chungsgebiet vermuteten Brutplatz bzw. die Sengbachtalsperre, die für ihn ein essentielles Nahrungshabitat darstellt, in Zukunft meiden würde. 

 

Somit werden bei mehreren planungsrelevanten Arten die Zugriffsverbote des § 44 BNatSchG verletzt. Hier kann auch die Durchführung von Vermeidungsmaßnahmen auf-grund der komplexen Sachlage keine Abhilfe schaffen. 

Die vogelkundlichen Untersuchungen haben ferner gezeigt, dass der beplante Bereich als besonders wichtig hinsichtlich des Biotopverbundes zum Rheinisch-Bergischen Kreis und zur Rheinschiene, einzustufen ist.

 

Als wesentliche Ergebnisse der fledertierkundlichen Untersuchungen sind hervorzuheben: 

Im Untersuchungsgebiet wurden während der Erfassungen 2013 und 2014 insgesamt gesi-chert 10 unterschiedliche Fledermausarten nachgewiesen – dies ist die höchste je in Solin-gen festgestellte Artendichte in einem Bereich. Die ganz überwiegende Anzahl an Fleder-mausarten sind als planungsrelevant anzusehen. Zu nennen sind hier Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus), Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), Kleiner Abendseglern (Nyctalus leisleri), Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), Großes Mausohr (Myotis myotis), Große und Kleine Bartfledermaus (Myotis brandtii / mystacinus), Fransenfledermaus (Myotis nattereri),Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) sowie die als einzige Art noch relativ häufig anzutreffende Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus). Zusätzlich liegt ein Hinweis auf einen Wimperfledermaus-Nachweis (Myotis emarginatus) vor. 

 

Hervorzuheben ist zudem, dass die Aktivitätsauswertung der Fledermaus-Lauschboxen eine permanente Nutzung des Untersuchungsbereiches durch Fledertiere belegt. Gut zu erken-nen war hierbei der jahreszeitlich vom Tageslicht abhängige zeitlich unterschiedliche Beginn und das Ende der Jagd. 

 

In mehreren Nächten wurden parallel Lauschboxen im Untersuchungsgebiet ausgebracht, um die Flugbewegungen der Fledertiere zu erfassen. Als Ergebnis der Messungen kann festgehalten werden, dass die Fledertiere im Wesentlichen über unterschiedliche Flugbahnen das Untersuchungsgebiet wechselnd in Nord - Süd - Richtung durchfliegen und dabei in mehreren Bereichen auf diesem Flug Nahrung aufnehmen. 

 

Es ist festzuhalten, dass die geplanten Windenergiestandorte genau auf Flugbahnen und in bzw. an Nahrungshabitaten der Fledertiere liegen. Bei einem Rotordurchmesser von ca. 120 m würden die Fledertiere durch die Leitlinienwirkungen an ihren Routen unmittelbar in des-sen Einwirkungsbereich fliegen und hierdurch der großen Gefahr ausgesetzt sein, zu verenden - entweder durch direkten Schlag oder durch die extremen Druckunterschiede vor allem im Endbereich der Rotoren.

 

Die Gruppe der Fledermäuse wird in Untersuchungen (vgl. Dürr-Liste) insgesamt als wind-kraftempfindlich eingeschätzt, da es in dieser Artengruppe zu einer hohen Anzahl von Schlagopfern an Windenergieanlagen kommt. Als überdurchschnittlich gefährdet gelten gem. dem oben genannten Leitfaden die Arten Großer und Kleiner Abendsegler, Rauhautfleder-maus, Mückenfledermaus und Breitflügelfledermaus. Es ist davon auszugehen, dass bei diesen Arten die Zugriffsverbote des § 44 BNatSchG ausgelöst werden. 

 

Da die Fledertiere über die gesamte Vegetationsperiode im Bereich der WEA fliegen, helfen Abschaltalgorithmen zur Minimierung des Schlagrisikos nicht weiter. Zu ergänzen ist schließ-lich, dass die Berechnung des Abschaltalgorithmus durch Erfassung von Fledertierrufen mit-tels in der WEA-Nabe positionierten Ultraschalldetektoren anzuzweifeln ist. 

 

Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen beim Vergleich der im Rahmen der Bürgeranhörun-gen vorgestellten Artennachweise und Angaben zur Bedeutung des Planungsraumes als Nahrungshabitat die eingangs genannten Befürchtungen unvollständiger Bestandserfassun-gen durch das Gutachterbüro. 

 

Die vorliegenden durch den ehrenamtlichen Naturschutz erhobenen Daten machen darüber hinaus deutlich, dass es sich bezogen auf Artenvielfalt und Artendichte beim Planungsraum um einen Hot Spot in Solingen für die untersuchten Vogel- und Fledermausarten handelt - ein Ergebnis das den ehrenamtlichen Naturschutz in seiner Deutlichkeit selbst überrascht und erfreut hat. Hieraus begründet sich eine besondere Verantwortung für den Naturraum rund um die Sengbachtalsperre. 

 

Aus den oben genannten Gründen empfehlen die Natur- und Umweltschutzverbände der Stadt Solingen, an den ursprünglich für diesen Bereich im Landschaftsplan und im Regional-entwicklungsplan niedergelegten Zielen festzuhalten und die bisherigen Entwicklungsziele der Biotopvernetzung und Vernetzung der regionalen Grünzüge weiter zu fördern und gleichzeitig von der weiteren Planung von Windenergieanlagen an diesem Standort abzuse-hen. Im Rahmen der Abwägung ist hier dem Biotop- und Artenschutz im Sinne der vom Land jüngst vorgelegten Biodiversitätsstrategie eindeutig der Vorrang vor dem Bau von Windener-gieanlagen an diesem Standort zu geben. Dies stände ebenfalls im Einklang mit dem ebenfalls jüngst beschlossenen Verzicht des zusätzlichen Baus von Windenergieanlagen jenseits der Kreisgrenze auf Witzheldener Boden. 

 

Die vorliegende Stellungnahme kann die Fülle der erhobenen faunistischen Daten nur an-reissen. Die separaten Gutachten können unter www.solingen-natur.de eingesehen werden. Die vollständigen Daten werden der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Solingen zur Kenntnis und weiteren Verwendung übermittelt. 

 

 

Zur Darstellung und Diskussion der erhobenen Daten werden die Umwelt- und Naturschutz-verbände zeitnah das Gespräch mit den im Rat vertretenen Parteien suchen. 

 

 

 

 

23. Oktober 2014

Offener Brief zum Vorschlag „Wegfall der Baumschutzsatzung“ - Entwurf des Haushaltssanierungsplanes für die Jahre 2015 bis 2027

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Solinger Naturschutzvereine BUND, NABU und RBN nehmen  hiermit Stellung zu der vorgeschlagenen Maßnahme Wegfall Baumschutzsatzung (Mneu 12) im Entwurf des Haushaltssanierungsplanes für die Jahre 2015 bis 2027.

Vor dem Hintergrund der Erhaltung des ökologischen und sozialen Beitrages von Bäumen im dicht besiedelten innerstädtischen Bereich wurde in Solingen 1977 eine Satzung zum Schutz des innerstädtischen Baumbestandes verabschiedet. Damit wird seitdem der Baumbestand im innerstädtischen Bereich, der nicht im Landschaftsplan gesichert ist, erhalten.

Die Baumschutzsatzung schützt seitdem zum einen den besonders wertvollen Altbaumbestand, der aus ökologischen Gründen nicht gefällt werden soll. In den meisten Fällen wird die Fällung von Bäumen jedoch erlaubt und es wird eine Verpflichtung zur Ersatzpflanzung ausgesprochen. Dies führt zu einer Sicherung des Baumbestandes auf dem eigenen Grundstück.

Wenn dies nicht möglich oder gewollt ist, werden Ausgleichszahlungen entrichtet. Diese betragen in Solingen jährlich 60.000 – 65.000 Euro. Mit diesen Mitteln führt die Stadt Baum-und Heckenpflanzungen, aber auch Pflege-, Erhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen von Bäumen im öffentlichen Straßenraum durch. 

Fiele die Baumschutzsatzung fort, gäbe es im privaten und im öffentlichen Raum keine Verpflichtung zu Ersatzpflanzungen mehr. Die Einnahmen durch die  Ausgleichszahlungen entfielen also. Ohne Baumschutzsatzung entstünden weiterhin zusätzliche Personalkosten wegen der dann notwendigen Kartierung aller schützenswerten Bäume. Der Finanzierung von Baumpflanzungen im öffentlichen Raum wäre die Grundlage entzogen. Die nachhaltige Sicherung des Baumbestandes im Innenbereich würde entfallen.

Stadtbäume erfüllen aber eine wichtige Funktion zur Erhaltung unserer Lebensqualität und sind förderlich für die Erholung gerade im dichtbesiedelten Stadtgebiet. Stadtbäume verringern die starke Feinstaubbelastung und dienen der Luftreinhaltung. So filtert eine gesunde Buche oder Eiche im Jahr etwa 1 Tonne Staub und Gifte aus der Luft. Stadtbäume dienen auch dem Lärmschutz. Sie sind von existenzieller Bedeutung als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten in der Stadt.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung des Stadtgrüns gerade in Zeiten des Klimawandels und der immer heißeren Sommer wäre statt der Abschaffung der Baumschutzsatzung eigentlich die Wiedereinführung der lange Zeit bestehenden Haushaltsposition Bäume im Straßenraum sinnvoll. Diese hatte viele Jahre Bestand, es waren ca. 150.00 DM (ca. 75.000 €) jährlich dafür vorgesehen.

In unserer Nachbarstadt Wuppertal wurden nach der sehr umstrittenen Abschaffung der Baumschutzsatzung innerhalb des folgenden Jahres sehr viele Stadtbäume abgeholzt.

Lassen Sie es in Solingen nicht soweit kommen!

 

17. Juli 2014

Presseerklärung der Solinger Naturschutzverbände BUND, NABU, RBN und des Arbeitskreises Fledertierschutz Solingen

Umweltverbände Logos

Zwischenbilanz der Naturschutzverbände  zum Planungsprozess des  geplanten Windkraftstandortes Sengbachtalsperre fällt deutlich kritischer aus als bisher. 

Die  Naturschutzverbände haben Anfang der Woche Berichte ihrer Fachleute entgegengenommen um sich über den Stand der Kartierungsergebnisse im Bereich des geplanten Vorranggebietes  für Windkraftanlagen (der Flächennutzungsplan soll dazu geändert werden) zu informieren.

Die Natur- und Umweltschutzverbände begrüßen grundsätzlich das Vorhaben der Stadtwerke Solingen und der ARGE Bergwind auch in Solingen nach geeigneten Standorten für Windkraftanlagen zu suchen um die alternative Energieerzeugung vor Ort voran zu treiben. Der zunächst als wenig kritisch angesehene Standort Sengbachtalsperre hat sich im Verlauf des Planungsprozesses jedoch als  problematischer als zunächst erwartet entpuppt.

 

  • Insbesondere die folgenden Punkte sprechen inzwischen gegen einen Bau der Windkraftanlagen im Wald nahe der Sengbachtalsperre:
  • Durch die intensiven eigenen Kartierungen und Beobachtungen der Naturschutzverbände liegen nun deutlich mehr Erkenntnisse über die Tierwelt in diesem größten zusammenhängendem Waldgebiet Solingens vor als zu Beginn des Planungsprozesses.
  • Insbesondere die Vogelwelt mit der vorher nicht bekannten Siedlungsdichte der Uhus im Umkreis der geplanten Windräder, aber auch das Vorkommen von Schwarzstorch und weiteren schlagempfindlichen Vogelarten wie u.a. Rotmilan und Wanderfalke sind Gründe den Standort abzulehnen.
  • Die Ruhezonen um die Sengbachtalsperre haben viele Vögel (z.B. Kraniche und  Kormorane) als Rast- und  Überwinterungsquartier angenommen. Nach einem Bau der Windkraftanlagen ist auch bei diesen Arten von einer erhöhten Zahl an Schlagopfern auszugehen.
  • Durch Querbeziehungen von offenem Wiesenland zu den Wasserflächen und dazwischenliegendem Wald kommt es genau am Standort der geplanten Windkraftanlagen zu einem häufigen Überfliegen dieser Standorte durch Vögel und Fledertiere.
  • Die bei Kartierungen festgestellte Vielfalt an schlagempfindlichen Fledermäusen, wie u.a. Großer und Kleiner Abendsegler, Mücken-und  Zwergfledermaus, sowie Rauhaut-, Breitflügelfledermaus und Großes Mausohr hat die Naturschützer überrascht und weitere erhebliche Bedenken bezüglich des Standorts aufkommen lassen. Befürchtet wird auch ein Tod zahlreicher Fledertiere durch die Druckverhältnisse im Bereich der Windräder, der zu einem Platzen der Lungen dieser Säugetiere führt. Zwangsweise erfolgen durch das Fliegen auf natürlichen und künstlichen Leitlinien Kollisionen mit den Windrädern oder durch die Windräder ausgelöste Barotraumen, was  zum Tod der Tiere führt. Abschaltalgorithmen können dem nicht abhelfen.
  • Es wird beim Bau der Windanlagen zu ganz erheblichen Eingriffen in Landschaft und Natur kommen müssen z.B. bei Baumfällungen, Wegeverstärkungen, für den Platz zum Aufrichten der Kräne und zum Händeln der Rotoren. Diese Eingriffe können aus Sicht der Naturschützer nicht akzeptiert werden.
  • Alternative, weniger problematischere Standorte sind bei der augenblicklichen Diskussion ebenso wenig ins Auge gefasst worden wie Alternativen zu den geplanten Windkraft-Anlagen z.B. durch  kleinere dezentrale Anlagen mit gekapselten Tubes (Röhrenrotoren).
  • Vermisst wird auch eine gesamtstädtische Analyse des Potenzials der Nutzung anderer alternativer Energien und der Einsparungsmöglichkeiten z.B. durch die Nutzung von gasmotorbetriebenen Blockheizmodulen und den Einsatz von Wärmepumpen.

Die Naturschutzverbände werden sich jedoch erst dann endgültig zu den Windkraftanlagen positionieren, wenn das von den Stadtwerken beauftragte naturschutzfachliche Gutachten vorliegt.



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